
1. Was
wir sind - und was wir nicht sind
Eines vorweg - was wir NICHT sind
Aufgrund unserer Kluften, unserer Lieder und des
Lagerlebens im Allgemeinen kommt es leider immer wieder zu
Missverständnissen bezüglich des Gedankengutes, das hinter
unserem Pfadfinderdasein steckt. Deshalb soll an dieser Stelle
kurz aber deutlich darauf hingewiesen werden, das wir uns mit Nachdruck
von allen fremdenfeindlichen, verfassungswidrigen und
besonders rechtsextremen Inhalten distanzieren.
Zwar gibt es in unseren Lagern und Strukturen Regeln, Zeitpläne
und manchmal auch Strafen, das macht uns aber weder zu
Rechtsextremen, noch zu Kriegsbefürwortern. Tatsächlich sind
unsere Inhalte
weder politisch noch religiös geprägt.
Was wir
hingegen sind
Wir sind eine Gemeinschaft von
Pfadfindern. Bei uns kann jeder mitmachen, der sich mit der
Pfadfinderei beschäftigen möchte. Die größten persönlichen
Erfolge erlebt man, wenn man bereits in jungen Jahren mit der
Pfadfinderei beginnt. Aber auch ältere Kinder, Jugendliche und
Erwachsene sind
uns immer willkommen.
Regelmäßig suchen wir den Kontakt zu anderen
pfadfinderischen,
bündischen oder waldläuferischen Vereinigungen oder
Gruppierungen.
Wir halten Kontakt zu vielen Pfadfinderstämmen,
pflegen bündische Bekanntschaften und sind befreundet mit
der Waldjugend. So finden immer wieder Treffen statt, in denen wir neue Freundschaften gewinnen und alte pflegen.
Ganz klar distanzieren wir uns vom sehr oft praktiziertem
Scheuklappendenken
manche anderer Bünde, wir versuchen mit allen Mitteln,
einen globalen Gemeinschaftsgedanken zu etablieren.
Das war einer der Kerngedanken unseres Gründers.
Ein guter Pfadfinder zu werden und zu sein ist eine
selbst gewählte Lebensaufgabe.
Daher gibt es bei uns weder übertriebenen Leistungsdruck,
noch unter Zwang verfolgte Zielsetzungen.
Jeder muss für sich selbst entdecken, wie weit er gehen
kann und will.
Nicht selten trifft man eine bewusste Entscheidung
für oder gegen die Pfadfinderei und alle Aspekte, die mit ihr
einhergehen, erst nach
vielen Jahren.
Oder man ist plötzlich "mittendrin" und weiß nicht, wie man
an diesen Punkt gelangt ist.
Doch egal, auf welchem Pfad man an sein persönliches Ziel
gelangt ist, für jeden von uns gilt eines gleichermaßen:
Wir sind alle mit Stolz und Freude dabei!
2. Unsere
Arbeit
Unsere Arbeit teilt sich in zwei große
Segmente, die Gruppenstunden und die Fahrten.
Die Gruppenstunde
Hier verbringen unsere Kids gemeinsam ihre Zeit.
Spielerisch werden ihnen pfadfinderische und pädagogische Inhalte
vermittelt.
Unser Ziel ist es, den Kindern
Zusammenhalt, Integrität und praktische Fertigkeiten
zu vermitteln.
Die Gruppen bestehen aus etwa sechs Personen, eine
Kernaufgabe ist die Vorbereitung auf die Fahrt. So bewohnt eine
Gruppe auf Fahrt dann auch immer ein Zelt.
Zur Zeit finden die Gruppenstunden wöchentlich in der
Jugendverkehrsschule in Dülken statt. Jeder Interessierte ist herzlich
eingeladen, uns dort einmal zu besuchen, denn so kann man
sich bereits ein gutes Bild von unserer Arbeit machen.
Die Fahrt
Ein Pfadfinder lebt für die Fahrt,
denn dort macht er viele seiner existentiellen Erfahrungen.
Deshalb ist es Teil unserer Bestimmungen,
dass jedes Mitglied an Fahrten teilzunehmen hat.
Auf Fahrt wendet man das in den Gruppenstunden Gelernte an.
Wir nutzen Zelte oder sonstige Unterkünfte,
die uns gewährt werden.
Wir wandern oder fahren mit dem Zug, dem Fahrrad, Kanus, Bussen oder
anderen Reisemitteln. "Fahrt" bedeutet zugleich auch Abenteuer und Freiheit.
Für den Einzelnen bedeutet "Fahrt" hingegen das Sammeln von
Erfahrungen und persönliche Weiterentwicklung.
Auf diesen Internetseiten findet Ihr eine eigene
Rubrik für Fahrtenberichte
und Erzählungen. Dies mag einen besseren Eindruck vermitteln,
welche Bedeutung die Fahrt für einen Pfadfinder hat.

3. Pfadfinder sein
Was ist ein Pfadfinder?
Unsere Grundlagen stammen aus der Hand von
Baden Powell, dem Gründer der Pfadfinder. Bereits 1907 startete er den Versuch,
mit 22 Jungen
unterschiedlicher sozialer Herkunft ein
Zeltlager zu gestalten. Das Lager war ein voller Erfolg, der
Grundstein war gelegt. Vieles aus damaliger Zeit besteht noch
bis heute. Unsere Regeln zum Beispiel, die Pfadfindergesetze,
stammen noch von unserem Gründer. Natürlich wurden sie
inzwischen modernisiert und angepasst, doch sind viele Punkte
auch unverändert.
Pfadfinder leben zumeist in einer Gruppe, sind eine Gemeinschaft.
Ältere und erfahrene Pfadfinder kümmern sich um die jüngeren. Gemeinsam entwickeln wir uns selbst.
In dieser Zeit werden wir zu Pfadfindern.

Im Laufe der Zeit und ab einem gewissen Alter
entwickelt jeder Pfadfinder eine
ganz eigene Definition des Pfadfindens. Dies ist von uns Leitern durchaus erwünscht.
So spiegelt es sich auch darin wieder, dass ältere Pfadfinder
bei uns angehalten werden, ihre Versprechenstexte
selbst zu formulieren. Denn auf diese Weise gibt man jedem die Möglichkeit,
sich individuell zu orientieren. Weitere wichtige Inhalte sind internationale Offenheit,
Ehrlichkeit, Charakterstärke, Neugier -
auch das wollen wir den Kids vermitteln.
Wir fördern Gruppengemeinschaft und gehen gezielt gegen Ausgrenzung
Einzelner vor.
Immer wieder hört man von diesen Vorurteilen:
"Früher war ich auch einmal bei den Pfadfindern."
"Seid Ihr nicht viel zu alt dafür?"
Baden Powell sagte es klar und
deutlich : "Once a scout - ever a scout"
(einmal Pfadfinder - immer Pfadfinder).
Und zum Glück findet man sie noch oft - erwachsene Menschen in Kluft die eine
mittlerweile über 100-jährige Tradition pflegen. Der Erfahrungsschatz solcher
"Altpfadfinder" ist von
unermesslichem Wert. Sie sind Vorbilder, man hängt gern an ihren Lippen,
wenn sie über ihre Erfahrungen sprechen.
Die meisten von ihnen haben nie einen Gedanken daran
verschwendet,
einmal "zu alt" für die Pfadfinder zu sein. Sie sind und bleiben Pfadfinder.
Doch es ist ein langer Weg bis dorthin.
Anfangs, wenn man noch recht jung
ist, ist es "einfach irgendwie cool", dabei zu sein.
Man spielt Spiele, unternimmt gemeinsam Dinge und hat Spaß
daran.
Als Gruppe fühlt man sich stark, die Fahrten sind abenteuerlich.
Jedoch bekommen viele Pfadfinder
überhaupt nicht
mit,
wie sehr man ganz nebenbei auch ein anderes Bewusstsein für
Respekt, Ehrlichkeit und Gemeinschaft entwickelt. Bräuche und Riten werden
nach und nach zu einem Teil von uns.
Irgendwann in der Laufbahn eines Pfadfinders schließlich
nimmt man wahr, wie wertvoll die Gemeinschaft ist, Pfadfinderei
wandelt sich von einem
Hobby hin zu einer Lebenseinstellung.
Zum Beispiel das JAMBOREE: Wer einmal ein Jamboree besucht
hat, wird mit großer
Wahrscheinlichkeit
nie wieder sein Pfadfinderdasein ablegen.
Es ist etwas besonderes, plötzlich zu erkennen,
dass man ein Teil einer weltweit operierenden Gemeinschaft
ist.
Man begegnet sich friedlich in Freude, Neugier und
Vertrauen.
Egal in welchem Alter, egal wo auf der Welt, jeder kennt die Regeln, die Pfadfindergesetze.
Doch auch im Kleinen spürt man
diese Werte.
Baden Powell gab uns eine große Aufgabe - und er meinte jeden einzelnen von uns
und uns alle zusammen, als er sagte:

"Verlasse die Welt ein kleines bisschen besser
als Du sie vorgefunden hast."
Und das ist für viele von uns der Grund für unser Tun.
All das macht uns zu Pfadfindern.
Doch beginnst du jetzt? Du hast das hier zwar gelesen, aber kann man dies alles als Außenstehender verstehen?
Der erste Schritt für Dich, ein echter Pfadfinder zu sein, ist
Neugier.
Forsche selbst nach deinen ganz persönlichen Antworten.
Wer wirklich Interesse gewinnt, sollte einfach einmal über
den Tellerrand hinaus sehen.
Schaut Euch auf keinen Fall nur einen Verein oder nur einen
Bund an.
Man muss die Vielfältigkeit von 100 Jahren Entwicklung
erkennen.
Erst in der Schnittmenge
erschließt sich einem
die Erkenntnis:
Was ist ein Pfadfinder ? Das ist ein Pfadfinder.
4. Traditionen und Bräuche
Es gibt im Leben eines Pfadfinders verschiedene bedeutende
Ereignisse, welche in feierlicher Umgebung begangen werden.
Besonders bedeutungsvoll sind die Übergaben der Halstücher
und der verschiedenen Abzeichen. Solche Ereignisse fasst man
unter dem Begriff "Hochstufung" zusammen.
Über unsere Stufen könnt Ihr
HIER noch viel mehr erfahren.
Es ist eine besondere Ehrung und Bestätigung, wenn man
hoch gestuft wird.
Man darf nun die Zeichen seiner Erfahrung auch offen tragen.
Bei den Übergaben werden auch feierliche
Versprechen geleistet.
Diese Pfadfinderversprechen sind für jeden ein Leben lang
bindend.
In den unteren Stufen sind sie vorgegeben.
Ab einem gewissen Alter sind die Texte frei.
Der Pfadfindergruß
Zum Gruß erheben wir die Rechte Hand, etwa so :

Die drei aufrechten Finger stehen für die drei Blätter der
Lilie.
Der Daumen (der Starke) schützt den kleinen Finger (den
Schwachen).
Der Wölflingsgruß

Bei den Wölflingen, den Jungen und Mädchen zwischen 7 und 11
Jahren,
gibt es an Stelle des Pfadfindergrußes den Wolfsgruß, dabei
werden Zeige-
und Mittelfinger der rechten Hand auseinander gespreizt, um
die Wolfsohren
zu symbolisieren; der Daumen schützt den kleinen
Finger
und den Ringfinger.
Unser Handschlag

Pfadfinder reichen sich zur Begrüßung die linke
Hand.
Man sagt, diese komme "von Herzen" und symbolisiere somit
eine brüderliche und herzliche
Gemeinschaft.
Allerdings gibt es
zur Herkunft des Händedrucks mit der linken Hand noch eine andere Geschichte:
Baden-Powell
wechselte eines Tages mit dem afrikanischen
Häuptling Pempreh, den er im Gefecht besiegt hatte, einen
Händedruck. Da bot ihm Pempreh die linke Hand an. Als sich Baden-Powell nach dem Grund erkundigte,
erklärte ihm der Häuptling, dass nur die Tapfersten der
Tapferen und die Treuesten der Treuen
sich auf diese Weise die Hände reichen, weil es bedeute, "den
Schild herunter zu nehmen".
Dieser Gedanke inspirierte Baden-Powell, so dass er später den
Pfadfindergruß
mit der linken Hand einführte.
Den Schild herunternehmen - dies
steht für noch mehr:
Offen, ehrlich und wahr treten wir dem anderen gegenüber,
dem wir die linke Hand reichen.
In Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern ist
es üblich,
den kleinen Finger der linken Hand beim Handschlag
abzuspreizen.
Dies war ein geheimes Erkennungszeichen im
frühen Widerstand gegen den Nationalsozialismus, denn spreizte man den kleinen Finger ab,
der andere jedoch nicht, bemerkt man dies nur selbst,
der Finger des Anderen fuhr ins Leere. So erkannte man
früher Spione.
Diese Geste hat sich als Tradition über die Zeit erhalten.
Unsere Kluften
Unsere Kluften sind
kaki. Wir tragen ab der
Jungpfadfinderstufe alle blaue Halstücher. Wölflinge tragen orange Tücher,
die Rover rote.
Leiter tragen die Farbe der Gruppe, die sie leiten.
Die Abzeichen auf der Kluft sind nach bestimmten Regeln
platziert. Das Stammesabzeichen und die Deutschlandflagge
tragen alle. Alle weiteren sind Sippen- oder
Stufenabzeichen. Diese sammeln Pfadfinder im Laufe der Zeit.
Unsere Lieder
Wie alle Pfadfinder singen wir gerne unsere Lieder.
Einige werden sicher erwarten, bei uns klassische
Lagerfeuerlieder zu hören. "Wir lagen vor Madagaskar" oder
"Country Roads" erklingen bei uns aber eher selten.
Unser Liederbuch ist der "Liederbock", dem viele Pfadfinder
ihre Stücke entnehmen.
Die Waldjugend benutzt ihn ebenfalls.
Der Liederbock ist eine Sammlung von Fahrtenliedern.
Es gibt nicht nur lustige Lieder, viele Texte haben einen geschichtlichem Hintergrund. Wir singen diese Lieder,
und wir besprechen auch die Inhalte.

5. Was man
bei uns lernen kann
Ein
guter Pfadfinder muss vieles wissen und einige
handwerkliche Grundfähigkeiten beherrschen. Aber was genau kann ein
guter Pfadfinder?
Bei uns lernt Ihr viel Brauchbares für das Leben,
die einzige Voraussetzung dafür ist euer Interesse.
Niemand kann alles und natürlich auch nicht von Anfang an,
aber jeder kann fast alles erlernen. Hier findet ihr eine Auflistung
einiger Dinge, die man bei uns lernen kann.
Für diese Disziplinen haben wir Material und erfahrenes
"Lehrpersonal" zur Verfügung:
Charakterbildung, Entwicklung der eigenen Persönlichkeit
& Förderung des Selbstbewusstseins
Soziales Verhalten in der Gruppe
& Teamarbeit
Improvisation und Problemlösung in diversen Lebenslagen
Sicherer Umgang mit Werkzeugen wie
Messer, Beil und Säge, Holzschnitzen (altersabhängig!)
Feuer
entzünden, unterhalten & nutzen ...
Spuren lesen
Wetterkunde, Pflanzenkunde
Gruppenspiele
wie Schnitzeljagden, Lagerspiele...
Nachtspiele
Knotenkunde
Klettern, mit Klettersteigset oder Wandklettern
Survival
Kanuführung
Orientierung, Karte lesen, Kompasskunde,
Sternenkunde
Kondition und Ausdauer
Musik (Gesang
& Instrumente)
Erste Hilfe, Rettungsschwimmen
Tierbeobachtung und Tierbestimmung
GPS (Anwendung und Funktion)
Lagerbauten
& Zeltkunde
(Kothen, Jurten und Sonderformen)
kochen, spülen, putzen
Großlagererfahrungen sammeln, Wochenendtouren planen und durchführen
Schleichen, Tarnen
Früher einmal wurden die Scouts
übrigens auch an der Waffe ausgebildet. Bei manchen Jamborees wird das heute noch im Ansatz
praktiziert. Bei uns gibt es diesen Inhalt
selbstverständlich nicht mehr.